Reise nach Nikiti
Geschichte des Dorfes Nikiti
by C.Zafeiroudis & U.Green
last modified: 19/07/2010, Release 5.1
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Klassische Periode

Die Frühgeschichte Nikitis bleibt in grossen Teilen unbekannt und unerforscht. In jüngerer Vergangenheit gab es verschiedentlich Hinweise auf die Existenz vorgeschichtlicher Siedlungen (Vetryno, Paliokastello, Kastri) und Kolonien in klassischer Zeit in dieser Gegend. Ohne die realistischen Möglichkeiten zu sehr den eigenen Wunschvorstellungen anpassen zu müssen, könnte man Nikiti für ein Relikt der antiken Stadt "Galypsos" halten, die von Herodotus (Z 122) zwischen Toroni und Sermyli lokalisiert wurde. Galypsos kämpfte im Peloponnesischen Krieg gegen Sparta und zahlte nach dem Krieg Geld an die Allianz unter Führung Athens (Seebund). Nach heutigen Erkenntnissen lag Galypsos etwa 5-6 km vom heutigen Nikiti. Plinios und Pombonios, zwei bekannte Historiker in jener Zeit erwähnen auch die Stadt Physkella in der Gegend zwischen Toroni und Sermyli, allerdings ohne zeitliche Eingrenzung.
Frühchristliche und Byzantinische Zeit
Seit 1971 sind einige Gebiete nahe Nikiti bekannt, die auf frühchristliche Siedlungen hinweisen. In Agios Georgios wurde ein Tempel aus der Anfangszeit des Christentums gefunden, der auf eine bedeutende Zivilisation in dieser Region schliessen lässt. Ähnliche Ansiedlungen aus gleicher Zeit wurden 1972 in Elia ausgemacht.
Interessante Hinweise auf den Aufstieg der Region um Nikiti in byzantinischer Zeit geben fünf Erhebungen des Xenophon Klosters aus den Jahren 1300 - 1338. Nach diesen Akten haben zwei Ansiedlungen in dieser Gegend beachtliche Fortschritte gemacht: Zum einen Psalida im heute als traditionelle Siedlung von Nikiti bekannten Gebiet, zum anderen in der gleichen Region Agios Phokas.
Zeit der türkischen Besetzung

Überlieferungen erzählen heute vom Leben in dieser Region seit dem Ende des 16.Jahrhunderts.In diesem Zeitraum hatten sich Mönche des Lavrion Klosters im Gebiet von Nikiti als Ziegen- und Schafbauern niedergelassen. Auch Ordensbrüder verschiedener anderer
Athos-Klöster kamen hierher.
Zwei Gebäude geben Hinweise auf die Geschichte der Region in dieser Zeit. Die Kirche "Himmelfahrt der Heiligen Jungfrau" wurde im 13. und 14. Jahrhundert von ansässigen Mönchen erbaut, wenn auch nicht bekannt ist, welchem Heiligen sie ursprünglich geweiht war. Beinahe zweimal so breit wie die heutige Kirche war sie ein wahres Kunstwerk.
Die Mönche hatten die Wände mit Darstellungen aus der Heiligen Schrift und mit Ikonen der Heiligen bemalt. Insbesondere die Darstellung "Die Apokalypse" im vorderen Teil der Kirche wurde in unserer Zeit durch unsachgemässe Schutzmassnahmen zerstört. Andere Wandmalereien fielen vollkommen ungeschützt dem Zahn der Zeit zum Opfer. Lediglich ein Teil eines Gemäldes an der südlichen Aussenwand ist erhalten. Es zeigt "Maria von Ägypten und Akyla" und wird bis zu seiner völligen Zersetzung noch für kurze Zeit an die alten Kunstwerke der Mönche erinnern.
Das zweite Kloster-Gebäude war vermutlich die Heimstatt der Mönche von "Tzironi". Überreste des Bauwerks sind den Ältesten der Einheimischen noch in Erinnerung. Auf der gegenüber liegenden Bergseite sollen die Mönche ihre Ziegen und Schafe gehalten haben.
Piraten...

Zur gleichen Zeit existierten nahe dem Meer und weit entfernt von den Kloster-Siedlungen drei kleine Orte in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander. Der grösste war im Gebiet von "Nikitas" in Elia, ein weiterer in Kastri und der dritte in Agios Georgios. Die Bewohner lebten als Fischer oder Ziegenhirten - es gab so gut wie keine Beziehungen zu den Mönchen der Gegend.
Viele Male hatten die Bewohner Piratenüberfälle erlebt, die ein grosses Problem darstellten. Die Piraten brandschatzten die Häuser, verwüsteten die Felder und schlachteten die Tiere der verängstigten Dorfbewohner ab. Als diese Überfälle sich über längere Zeit wiederholten, verliessen die Einwohner nach und nach ihre Siedlungen, die zeitweise vollkommen aufgegeben waren. Nach Jahren des Umherwanderns liess sie ihr Überlebensinstinkt sich in der Gegend des Lavrion Klosters ansiedeln, so weit entfernt von der See wie möglich.
Was von ihren Häusern übrig war, brachten sie dorthin, um neue Behausungen zu bauen, den Boden zu kultivieren und sich eine neue Lebensgrundlage zu schaffen. Dies waren die Anfänge der Siedlung, deren Überreste heute den Ort der traditionellen Ansiedlung markieren.
Es ist nicht bekannt, ob es zwischen der Siedlung der Neuankömmlinge und den Mönchen Probleme im Zusammenleben gegeben hat. Tatsache ist, dass um 1600 n.Chr. (genauer 1613 oder 1614, je nach Quelle) die Niederlassung sich zu entwickeln begann und zu unserem Dorf Nikiti wurde.
Der Überlieferung zufolge benannten die Bewohner ihr neues Dorf nach dem grössten der drei Orte, die sie nach den fortwährenden Verwüstungen durch Piraten hatten aufgeben müssen. So ist es möglich, dass der Name des Dorfes zunächst "Nikitas" war. Die Bezeichnung "Nikiti" wird zum ersten Mal nach 1700 erwähnt. Eine andere Erklärung führt den Dorfnamen auf eine Abänderung des Wortes "Neakitos". In den Aufzeichnungen des Xenophon Klosters wurde diese Gegend als "Boden von Neakitos" bezeichnet..
Die nicht mehr als 500 Bewohner gewöhnten sich schnell an die neue Umgebung und die neuen Lebensumstände. Die neu gegründete Siedlung wuchs und gedieh und entwickelte sich nach und nach zu einem richtigen Dorf.
Revolution

1821, dem Jahr der Erhebung Griechenlands gegen die türkische Besetzung, hatte Nikiti beinahe 700 Einwohner und war eines der ersten Dörfer, das sich an dem Aufstand gegen die Türken beteiligte. Unter Opferung des eigenen Lebens kämpften die Nikitianer Seite an Seite mit den anderen Revolutionären - nach dem unglücklichen Ende des Aufstandes wurde das schutzlose Dorf deshalb von den Türken niedergebrannt. Viele Einwohner Nikitis mussten in diesem Jahr ihre zerstörten Häuser verlassen und zogen zusammen mit anderen Bewohnern Chalkidikis, besonders aus Kassandra, auf die Nördlichen Sporaden, nach Evia und auf andere Inseln der Nördlichen Ägäis. Nachkommen dieser 1821 vertriebenen Nikitianer leben noch heute dort.
Nach dieser Katastrophe (und nach dem letztendlich erfolgreichen nationalen Befreiungskampf gegen die türkischen Besetzer) folgte eine Phase des Wiederaufbaus. Die zerstörten Häuser wurden wieder hergestellt und neue Gebäude errichtet. Nach einer Ermahnung durch den Bischof von Kassandra K. Chrysanthos erbauten die Nikitianer im Jahre 1867 die prächtige Kirche St. Nikitas (auch wenn die Nikitianer den Schutzheiligen nach dem Namen ihres Dorfes benannten, und nicht umgekehrt, wie viele hier noch immer glauben).
Ungefähr an der Stelle, wo die Kirche errichtet wurde, stand in früheren Zeiten ein hoher Turm, in dem türkische Soldaten auf der Durchreise übernachten konnten. Auch die öffentliche Schule wurde 1870 gebaut, im Süden neben der Kirche.
Um 1900, drei Jahrhunderte nachdem sich die ersten Bewohner angesiedelt hatten, war Nikiti mit 1000 Einwohnern (laut den Zahlen einer Zeitung aus der Zeit) eine gut organisierte Gemeinde.
Von 1900 bis 1910 begann Nikiti, sich langsam nach Süden (Richtung Meer) auszuweiten. Einige wenige Häuser waren die "Pioniere" einer planmässigen Expansion unseres Dorfes, das bis dahin auf eine, gemessen an seiner Einwohnerzahl, recht kleine Fläche beschränkt war.
Nach der Befreiung

In den 10 Jahren von 1910 bis 1920 blieb Nikiti mit seinen 1335 Einwohnern praktisch unverändert. Die Region um die Mühlen blieb unbewohnt, während es den Strand entlang nicht mehr ganz so eintönig war. Das erste Gebäude am Strand war eine eilig errichtete Hütte. Vor dieser Hütte kam das Schiff von Thessaloniki nach Kavala einmal pro Woche vorbei um Händler und Menschen der Gegend mit Gebrauchsgütern zu beliefern.
Nach dem Erdbeben von 1932, dem viele alte Häuser zum Opfer fielen, ging die Ausweitung Nikitis in den 30ern rasch voran. Nach 1950 ist das Dorf schnell Richtung Meer gewachsen. Innerhalb weniger Jahre wurde die Gegend entlang der Strasse hinunter zum Meer erschlossen, wie auch auf einen Kilometer Länge den Strand entlang.
Heute teilt die Hauptstrasse, die von Thessaloniki kommend um die Halbinsel Sithonia herum führt, Nikiti in das den Bergen zu liegende "alte Dorf-palio chorio" und den neueren Teil bis zum Meer.
BIBLIOGRAPHIE
Text entnommen aus: "The old Nikiti" von Yannis D. Kanatas (Ü. a. d. Englischen: U.Green)
Titelphoto mit Dank an www.macedonian-heritage.gr
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